Moderne Architektur in Salzburg – Zyklus 2: 1950-1970
Ausstellungsdauer: 20. November 2026 bis 12. Februar 2027
Eröffnung: 19. November, 18:30 Uhr
Initiative Architektur, Sinnhubstraße 3
»Die Moderne« ist nicht von einer einheitlichen oder kontinuierlichen Entwicklung, sondern von Brüchen, Richtungswechseln und Widerständigkeiten gekennzeichnet – auch was das Bauen anbelangt. Wie also sieht sie aus, die moderne Architektur im Salzburg der Nachkriegszeit?
Nach 1945 war das Baugeschehen in Salzburg von einem Wechselspiel aus Kontinuität und Neubeginn geprägt. Kriegszerstörungen und der Zuzug vieler Menschen machten es notwendig, rasch und kostengünstig neuen Wohnraum zu schaffen. Der Siedlungsbau gewann dadurch wieder an Bedeutung und löste sich zunehmend von traditionellen Bauformen. Internationale Vorbilder wie Le Corbusiers „Wohnmaschine“, Laubenganghäuser oder moderne Villentypen wurden an lokale Bedürfnisse angepasst. Gleichzeitig entstanden neue städtebauliche Akzente wie Wohnhochhäuser und das Hotel Europa beim Hauptbahnhof. Auch der Bau neuer Kirchen spielte eine wichtige Rolle. Beispiele wie die Pfarrkirchen Parsch und Herrnau zeigen unterschiedliche architektonische Ansätze dieser Zeit. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung entwickelten sich außerdem neue Bauaufgaben für Freizeit, Konsum und Mobilität: Geschäfte wurden modernisiert, Kinos und Freibäder errichtet und die Infrastruktur zunehmend an den Autoverkehr angepasst. Typisch für die sogenannte Nachkriegsmoderne waren Rasterfassaden, filigrane Rundstützen, scheinbar schwebende Dächer und eine charakteristische Farbgestaltung. Ab den 1960er-Jahren wuchs jedoch die Kritik an dieser Architektur. Der Fortschrittsglaube verlor an Bedeutung und das Verhältnis zu Tradition und Geschichte veränderte sich. Damit begann die Diskussion über ein mögliches „Ende der Moderne“ und über neue architektonische Wege.
Hier findest du Beispiele Salzburger Architektur der Nachkriegsmoderne mit einer Bauzeit zwischen 1950 bis 1970.
Fotos © Hubert Auer / Universität Salzburg
Zwergerlgartenpavillon
Auch: Holzpavillon, 1950


Adresse: Unterer Zwergelgarten
Entwurf: Karl Josef Mayr
Südostansicht des Holzpavillons, 1951 © Stadtarchiv Salzburg, Fotosammlung
Der auch als »Holzpavillon« bezeichnete Zwergelgartenpavillon wirkt durch seine dunkle Holzverschalung fast barackenartig. Errichtet wurde der heute zur Stadtgalerie gehörige Bau mit T-förmigen Grundriss jedoch viel lichter: Konstruktion und Dachstuhl blieben frei, die Oberlichter unverglast. Die Nordseiten des Querflügels waren ebenfalls offen, die Putzflächen weiß gestrichen, Längsflügel und Zugangsbau mit Spalieren versehen.
Anlass für die Errichtung dieses Ausstellungspavillons war eine Retrospektive Josef Thoraks, der nach Kriegsende versuchte, sich vom Ruf des nationalsozialistischen Vorzeigebildhauers zu lösen. Dass der rechtsgerichtete Verein der Unabhängigen (VdU) mit Karl Josef Mayr als Clubobmann 1949 in den Landtag einzog und das Kulturressort übernahm, erleichterte dieses Vorhaben – zumal Thorak für die Baukosten aufkam. Sein Kopernikus, eine monumentale Propagandafigur aus dem Kriegsjahr 1943, steht noch immer neben dem überraschend modernen Bau.
Nach Thoraks Tod 1952 ging der Zwergelgartenpavillon in Stadtbesitz über. Mehrere Umbauten folgten. Wann die heutige Fassung mit ochsenblutroten Stützen, schwarzbrauner Horizontalverschalung und weißgesprossten Oberlichtern entstand, ist nicht aktenkundig.
Fordhof, 1953


Adresse: Rainerstraße 25
Entwurf: Josef Becvar
Während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg realisierte Josef Becvar mehrere Projekte in Salzburg, darunter die städtebauliche Neuordnung des Areals um das Grand Hôtel de l’Europe – ein in Bahnhofsnähe gelegenes, riesiges Luxushotel mit gekrümmter Schaufront und weitläufigem Park, das man infolge schwerer Kriegsschäden abriss.
Der sogenannte Fordhof war der erste fertiggestellte Bau dieser umfänglichen Maßnahme und steht mit seiner Rasterfassade fast idealtypisch für das Bauen der 1950er-Jahre ein: Über einer Ladenzone mit mittigem Hauszugang erhebt sich ein strenges Fensterraster, das stärker ausdifferenziert ist, als es auf den ersten Blick scheint. Im unteren Bereich um grünschwarze Natursteinbrüstungen ergänzt, kontrastieren blaugrüne Fensterrahmen mit dem orangeroten Putz – ein Farbklang, der (etwas weniger grell) ebenfalls zeittypisch wäre. Das fünfte Obergeschoss scheint höher zu sein als die beiden darüber. Im Sechsten zeichnen sich zudem Brüstungsfelder ab, die vormals wohl anders gestaltet waren. Im rückseitig gelegenen Innenhof springt ein vollständig mit Glasbausteinen geöffnetes Treppenhaus aus der Bauflucht hervor. Dort finden sich auch letzte Relikte aus dem Park des Grand Hôtel de l’Europe: zwei unter Naturschutz gestellte Bäume, die wie die langgezogene Krümmung der an den Fordhof anschließenden Gebäude mehr schlecht als recht an überkommene Zeiten erinnern.
Postbusgarage Itzling
Heute: ÖBB-Postbus Garage, 1951–1953


Adresse: Andreas-Hofer-Straße 9
Entwurf: Heinrich Schweighofer
Der öffentliche Gewerbebau dient als Parkplatz und Werkstatt für die Postbusse, die den ländlichen Raum mit der Stadt Salzburg verbinden. Der lindgrüne, mehrteilige Komplex umschließt das unregelmäßige Grundstück zu großen Teilen. Der zweistöckige Baukörper links des Eingangs beinhaltet das Verwaltungsgebäude mit Kund·innenbüro, zwei Garagen und das Kesselhaus. Ein auf filigranen Sichtbetonstützen ruhendes, großzügig geschwungenes Dach verbindet diesen Bauteil mit dem schweren, sechsstöckigen Wohnturm. Unterhalb des Dachs steht der klarverglaste Eingangsbereich mit Freitreppe einem geschlossenen Einbau mit Strukturglasfenstern gegenüber, der den Zugangsbereich des Wohnturms abschirmt. Darüber hinaus befinden sich Garagen und eine Buswerkstatt auf dem Gelände.
Der Bau wurde infolge eines Antrags der Post- und Telegraphendirektion für Oberösterreich und Salzburg anlässlich des Ankaufs neuer, elektrisch betriebener Posttransporter realisiert. Ursprünglich waren mehr Gebäudeteile wie etwa eine Pflegehalle geplant, die jedoch nicht wie vorgesehen umgesetzt wurde. Später erfolgten kleinere Zubauten, größere Maßnahmen fanden bis 1999 statt.
Central Lichtspiele, 1957


Adresse: Linzer Gasse 17–19/
Bergstraße 2
Entwurf: Josef Hawranek
Die Central Lichtspiele sind Zeugnis der zweiten Hochzeit des Kinofilms und mithin der Kinoarchitektur in den 1950er-Jahren. Ihrerzeit waren sie eines von zwölf Lichtspielhäusern in der Stadt und boten 600 Gästen Platz. Seit der Schließung 1998 wurde das Gebäude vor allem im Inneren stark verändert.
Der auf einem unregelmäßigen Grundstück stehende Betonskelettbau wirkt monumental und filigran zugleich. Die eingesetzten Fassadenelemente lassen nur die waagerechten Skelettteile sichtbar. Bei ihrem Verputz wechseln sich zwei unterschiedlich blasse Brauntöne schachbrettartig ab. Vertikal gliedern breite weiße Fugen den Bau. Der weiß gestrichene Dachüberstand fasst alle Fassadenteile zu einer Einheit zusammen.Blickfang ist die gekappte, in die Linzer Gasse wirkende Ecke mit verglastem Haupteingang und dreieckig zulaufendem Vordach, dessen Spitze nach oben abknickt. Die darüber befindliche geschlossene Fläche ist mit hellen unregelmäßigen Marmorplatten (respektive deren Bruchkanten) verkleidet. Bei Dunkelheit verleihen filigrane Leuchtröhren dem vormaligen Kino ein eigenes Aussehen – denn dann ziehen sich lichtblaue Doppellinien entlang des Vordachs und der Gebäudekante nach oben, wo weithin sichtbar der Schriftzug »Central« zu lesen ist.
Ruperti-Siedlung, 1954-1963


Adresse: Ferdinand-Raimund- Straße 5–21/Johann-Nestroy-Straße 1, 3
Entwurf: Thomas Schwarz
Die Häuser Ferdinand-Raimund-Straße 13 und 15 folgen nicht dem Standardtypus der Ruperti-Siedlung.
Die nahe dem Bahnhof Salzburg-Aigen gelegene Ruperti-Siedlung ist schon von der Aigner Straße aus an den markanten Seitenansichten der Wohnblöcke zu erkennen. Auftraggeberin war die erst wenige Jahre zuvor gegründete gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft Heimat Österreich. Der Name der Siedlung verweist auf Rupert von Salzburg, den Schutzpatron von Land und Stadt.Als eines seiner ersten eigenverantwortlich durchgeführten Projekte plante Schwarz die Siedlung ab 1954. Fertiggestellt wurden zunächst die langgestreckten Wohnblöcke Ferdinand-Raimund-Straße 18 und 20 sowie 19 und 21. Ihre Aufrisse bestehen aus halbhohen Sockeln, drei Wohngeschossen mit Balkonen und einer zurückversetzten Etage mit baubreitem Freibereich sowie weiteren Balkonen an den Stirnseiten. Spätere Bauten der Siedlung reduzieren dieses Schema. Den markanten Umriss prägt die oberhalb des dritten Geschosses zurückspringende Gebäudekante, die sich zur Mitte neigt und dann dem Verlauf des Pultdachs folgt. Mit dieser einseitig geneigten Dachform wich Schwarz von dem im Salzburger Siedlungsbau bis dahin üblichen Satteldach ab – was konservative Stimmen als »landschaftsfremd« und »unösterreichisch« diffamierten. Heute gilt die Ruperti-Siedlung als wichtiger Meilenstein des modernen Bauens in Salzburg.
Wohnmaschine, 1956-1959


Adresse: Künstlerhausgasse 2/Franz-Hinterholzer-Kai 2b
Entwurf: Thomas Schwarz
Der Entwurf für das Wohn- und Geschäftshaus Ignaz-Harrer-Straße 8 stammt ebenfalls von Thomas Schwarz.
Le Corbusier, Unité d’habitation, Marseille, 1945. Aufnahme: 2011 © Cemal Emden
Das grau-blau-weiße Mehrparteienhaus umfasst zwölf Wohnungen. Die zur Künstlerhausgasse abgegrabene Parkzone und das zur Hellbrunner Straße nur leicht eingerückte Sockelgeschoss erzeugen unterschiedlich starke Auskragungen, die von zehn Pilotis abgetragen werden. Darüber liegen drei Vollgeschosse sowie ein zurückversetztes viertes Obergeschoss mit weit überstehendem Dach. Der Haupteingang befindet sich an der konventionell gestalteten ›Rückseite‹ des Hauses. Eingangsbereich und Treppenhaus sind großzügig verglast. Prägend sind die drei anderen Fassaden, denen tiefe, modular angeordnete Loggien appliziert sind. Der Wechsel sowohl der massiven Brüstungen und filigranen Geländern als auch der Fenster und Fenstertüren dahinter lockern das Raster auf.Dieses Loggiensystem kann als charakteristisches Gestaltungsmerkmal von Schwarz gelten, der sich ab Mitte der 1950er-Jahre für einen hochwertigen Wohnungsbau in Salzburg einsetzte. Dabei ging es nicht nur um Wohnraumschaffung, sondern auch um die Weiterentwicklung bisheriger Strategien der Moderne. Entsprechend knüpft der Bau – in kleinerem Maßstab und gehobenerer Lage – an Le Corbusiers Unité d’habitation oder »Wohnmaschine« an: Standardisierung und Modulbauweise sollten Wohnkomfort effizient und kostengünstig und somit allen zugänglich machen.
Stadtpfarrkirche zur Hl. Erentrudis, 1958–1962


Adresse: Erentrudisstraße 5
Entwurf: Robert Kramreiter-Klein
Portale: Otto Beckmann, Walter Ritter
Betonbuntglasfenster: Margret Bilger, Karl Weiser
Der Stadtpatronin Salzburgs geweiht, liegt die Kirche in Herrnau in einer als »Gottessiedlung« bezeichneten Anlage: Kloster und Kapelle sind den Eucharistie-Schwestern vorbehalten, Kirche und Pfarrhof der Gemeinde zugänglich.
Das 2011 von strobl architekten erweiterte Pfarrgebäude vermittelt über ein Glasdach zur Taufkapelle mit einem wandhohen Fenster von Karl Weiser. Dahinter wölbt sich die mit Gusssteinplatten verkleidete Kirche nach vorn – geöffnet durch drei Portale und ein umlaufendes Oberlicht von Margret Bilger. Darüber erheben sich Ringpultdach, Gitterwerk und ein Kreuz mit vier Engeln und Krone. Rechts schließt der Glockenträger an, unten mit hl. Christophorus, oben mit offenem Vierergeläut.
Durch das Mosaiktor Otto Beckmanns oder die Bronzetore Walter Ritters betritt man das Innere: Der aus einem Ringsegment entwickelte Grundriss lässt mit ansteigender, sphärisch-akustisch verkleideter Decke an ein Zelt denken und lenkt den Blick auf den Altar. Die konvex geschwungene Chorwand ist durch eine weitere Glasmalerei Bilgers mit biblischen Szenen in sanftes Licht aufgelöst. In der unter dem Presbyterium gelegenen Krypta findet sich ein Kreuzwegzyklus von Joaquin Vaquero-Turcios. Wendet man sich um, schwingt die Orgelempore frei durch den Raum. Darüber funkelt Bilgers Oberlicht mit 50 Engeln.
Freibad Leopoldskron, 1960-1964


Adresse: Leopoldskronstraße 50
Entwurf: Friedrich Florian Grünberger
Skulptur: Emilio Greco, Josef Magnus, Hans Pacher
Freibäder sind eine typische Bauaufgabe der Moderne. Dennoch reicht die Geschichte des öffentlichen Schwimmens und Badens breiter Schichten bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück, was sich in Leopoldskron fast lehrbuchartig nachvollziehen lässt: 1829 wurde auf dem Gelände eine Schwimmschule für Soldaten eingerichtet, die man in mehreren Schritten – auch um eine Damenschwimmschule – erweiterte, 1900 aber wegen zu hoher Pachtkosten schloss. 1912 übernahm die Stadt Salzburg das Areal, das sie 1929 käuflich erwarb und fortan im Sommer als Freibad und Schwimmschule, im Winter als Eislaufbahn betrieb. 1944 zerstörten Fliegerbomben die Anlage.
Für den Neubeginn in den frühen 1960er-Jahren konnte man den Bäderspezialisten Friedrich Florian Grünberger gewinnen, der Architekturbüros nicht nur in Wien, sondern auch in Düsseldorf betrieb, wo er 1967 das damals größte Hallenbad Europas realisierte. Zuvor hatte er das »Lepi« um ein Sportbecken mit filigranem Sprung- und Uhrenturm angelegt. Die Tribünen an einer der Langseiten des Beckens gehen in drei kammartig angeordnete, aufgeständerte Flachbauten mit Umkleiden und Schließfächern über, unter denen es angenehm schattig ist. Das seither mehrfach neugestaltete Gelände erweist sich bei einem Rundgang als Skulpturengarten, der mal motivisch, mal funktional auf das Thema »Freibad« bezogen ist.
Hakenhaussiedlung, 1964


Adresse: Dr.-Sylvester-Straße 29–35, Gneiser Straße 48–54
Entwurf: Wolfgang Soyka
Wolfgang Soyka, der bei Clemens Holzmeister studiert und mit Josef Becvar und Gerhard Garstenauer zusammengearbeitet hatte, realisierte die sogenannte »Hakenhaussiedlung« in Morzg, einer ländlich anmutenden Wohngegend. Damit knüpfte er an die historische Bautradition der »Hakenhöfe« an. Eine solche Siedlung besteht aus aneinandergereihten Bungalows über L-förmigem Grundriss, was Bau- und Betriebskosten spart. Bereits 1961 hatte die Wohnungsbaugenossenschaft Neue Heimat ein – alleinstehendes – Hakenhaus in Maxglan errichtet.
Soykas Morzger Siedlung zählt zweimal vier Häuser. Charakteristisch ist die gezackte Dachkante, die sich zur Gneiser Straße durch den dunkel verschalten Ortgang klar von den weiß verputzten Wänden absetzt. Ein niedrigerer Vorbau formt einen teilüberdeckten Vorplatz. Rückseitig liegt der eigentliche ›Haken‹ mit Bad und Schlafzimmern. Markant ist auch der durchgängig aus Sichtziegeln errichtete Schornstein.
Anders als die Häuser an der Gneiser Straße, die durch den erwähnten Vorbau in der Draufsicht eine T-Form aufweisen, sind jene an der Dr.-Sylvester-Straße über den Garten zugänglich und bilden deshalb die oben beschriebene L-Form aus. Dass Soyka 1968 in Gneis eine weitere Hakenhaussiedlung realisierte, spricht für den Erfolg des Modells.
Stadtpfarrkirche St. Vinzenz Palotti, 1962-1965


Adresse: Vinzenz-Pallotti-Platz 2
Entwurf: Alfred Brandstätter
Die katholische Stadtpfarrkirche in Lehen wurde von der Erzdiözese Salzburg errichtet und am 27. März 1965 von Erzbischof Andreas Rohracher geweiht. Südlich steht ein schlanker, heute von Platanen verdeckter Kampanile. Der Hauptbau wirkt, als bestünde er einzig aus Dach: Zwei unterschiedlich große Zelthälften überspannen den Kirchenraum, an dessen Zugangsseite sind bronzene Portale tief in einen hohen, spornartig vorspringenden Sichtbetonsockel eingeschnitten.
Betritt man das Innere, erzeugt das offene Dach eine nach Osten gestreckte, rautenförmige Grundfläche. Zwischen den Eingängen liegt die Taufkapelle, Seitenaltäre sind Pallotti und der Gottesmutter geweiht, das Presbyterium mit erhöhtem Altar öffnet sich V-förmig zur Gemeinde. Die Oberlichter der durch Kreuzweg- und Osterreliefs abgeschirmten Seitenkapellen wiederholen die Rautenform des Dachs.Fußboden und liturgische Ausstattung bestehen aus hellem Naturstein und Bronze, die übrigen, weniger edlen Materialien – Schalbeton, Stahlträger – verstärken den Eindruck eines aufgespannten Zelts. Von Alfred Brandstätter entworfen, wurde der Bau mehrfach verändert: vor allem in den 1980er-Jahren, als man große Teile der gläsernen Dachflächen zum Platz schloss. Trotzdem ist der Altarraum an sonnigen Tagen noch immer lichtdurchflutet.
Matthäuskirche, 1966-1969


Adresse: Martin-Luther-Platz 1
Entwurf: Hans Laimer, Eugen Salpius
Die evangelische Matthäuskirche in Taxham entstand für eine Gemeinde von Kriegsgeflüchteten, die hier ab 1954 siedelte und zunächst in einer Notkirche und einem Wohnwagen Gottesdienste feierte. 1960 stellte das Land Salzburg Baugrund zur Verfügung. Darauf errichtet wurden ein Glockenturm aus polygonalen Betonelementen und eingestecktem Glockenstuhl, der die Nordwestecke markiert, und ein brutalistischer Bau, der sich über einem nach hinten gestreckten, fünfeckigen Grundriss erhebt. Im Aufriss öffnet er sich als gleichschenkliges Dreieck zum Platz: Der ansteigende First und die absinkenden Traufen umfangen ein gläsernes Doppelportal, dessen Mittelpfeiler ein massives Betonkreuz ausbildet.
Das im Innenraum fortgesetzte, sich nach hinten verjüngende Dach greift den Zeltgedanken auf, der sich von der biblischen Tradition des Zeltheiligtums ableiten lässt – keine spezifisch protestantische Idee, wie die katholische Pfarrkirche Taxham zeigt. In seiner konkreten Ausformung ist die Kombination von Zelt- und Dreiecksmotiv hingegen durch die nur wenig ältere Innsbrucker Auferstehungskirche von Charlotte und Karl Pfeiler angeregt.
Eine wechselvolle Geschichte kennt das abstrahierte Kruzifix von Sepp Auer: Auf Wunsch der Gemeinde musste es einem konventionelleren Kreuz weichen. Erst 1999 kehrte es im Zuge des Orgeleinbaus an den vorgesehenen Ort zurück.
Moderne Architektur in Salzburg – Zyklus 1: 1900–1940
Du möchtest noch weiter zurückblicken? Im ersten Teil unserer Reihe geht es um die moderne Architektur in Salzburg zwischen 1900 und 1940.
