
Das Programm 2026: CAPTCHA Realism
Was bedeutet es heute, als Mensch zu gelten? Das Programm 2026 des Salzburger Kunstvereins CAPTCHA Realism untersucht die hochaktuelle und brisante Frage, unter welchen Bedingungen Menschsein im digitalen Zeitalter wahrgenommen, anerkannt und verifiziert wird. Im Fokus stehen Politiken der Wahrnehmung sowie die algorithmischen, politischen und ästhetischen Kriterien, durch die Identität zunehmend lesbar – und damit auch verwaltbar – wird.
Ausgehend vom CAPTCHA-Test (Completely Automated Public Turing Test to Tell Computers and Humans Apart), jenem alltäglichen Prüfverfahren, in dem Menschen ihre Menschlichkeit gegenüber Maschinen beweisen müssen, macht das Programm sichtbar, wie sehr Anerkennung heute von technischen Systemen abhängt.
CAPTCHA Realism ist programmiert und kuratiert von Mirela Baciak, Direktorin-Kuratorin des Salzburger Kunstvereins (sofern nicht anders angegeben).
07. März – 29. November 2026
Kateryna Lysovenko | Ringgalerie
Lysovenko’s malerische Intervention in der Ringgalerie des Salzburger Kunstvereins entfaltet sich als Zyklus, in dem die kreisförmige Architektur der Ringgalerie als konzeptuelles und formales Gerüst der Arbeit dient. Am Anfang treiben Zellen über die Oberfläche: Blutzellen, Organellen, Fragmente des Lebens vor jeder Identität. Für Lysovenko geht diese zelluläre Ebene der Frage nach Staatsbürgerschaft, Zugehörigkeit oder Anerkennung voraus. Aus dem zellulären Feld entsteht der Mensch, doch das Entstehen des Menschen fällt mit dem Entstehen von Begehren zusammen. Allmählich fügt sie Kreaturen hinzu, die an der Grenze der Lesbarkeit schweben. Sind sie menschlich? „Verdienen“ sie zu leben? Schon die Frage selbst ist die Gewalt, die auf das zentrale Thema dieser Ausstellung verweist: Entmenschlichung.
Die Auftragsarbeit wird von der ERSTE Stiftung unterstützt.

courtesy of the artist.
07. März – 10. Mai 2026
Linda Lach | Großer Saal
Für manche Betrachter:innen mag all keys, all times von Linda Lach wie ein Wartezimmer wirken, ein paradigmatischer Ort des zeitlosen Wartens: ein Ort, den man aufgrund von Symptomen betritt, die sich nicht diagnostizieren lassen; ein Ort, an dem man zwischen Daten und Entscheidungen verharrt. Man ist Teil des Systems, zweifellos – und doch nicht auf sein Tempo eingestimmt. Wir finden uns innerhalb eines Systems wieder, dessen Mechanismen vertraut, beinahe intim sind, sich jedoch nur schwer benennen lassen.

2025, human milk, latex, silicone, cotton, bandages, steel, needles, silk, 150 x 75 x
80 cm, courtesy of the artist.
Magdalena Berger | Studio
Certain Expectation von Magadalena Berger entfaltet sich aus einer vertrauten und zugleich stillen, kaum wahrnehmbaren Gewalt: dem Stehen vor einer Tür, die sich nicht öffnet. Nicht weil sie defekt ist, nicht weil man zu spät gekommen ist, sondern weil einem der Zugang verwehrt wird. Die Ausstellung untersucht, wie Schwellen entstehen, wie Zugang reguliert wird und wie das Versprechen der Teilhabe ungleichmäßig verteilt ist – über Körper, Schnittstellen und soziale Systeme hinweg.

Berlin, courtesy of the artist.
23. Mai – 12. Juli 2026
Agnes Scherer | Großer Saal
In einer großen neuen Installation verwandelt Agnes Scherer zwei Gemälde von Francisco Goya aus dem späten 18. Jahrhundert in eine begehbare Theaterkulisse, in der Malerei, Szenografie und Symbolsprache zu einem erweiterten Tableau sozialer Rituale und Manipulationen verschmelzen.

dimensions, unique. Courtesy of the artist and Sans titre, Paris. Photo: Aurélien
Mole.
freakygreenfish | Studio
Parallel dazu bespielt freakygreenfish aus Wien das Studio mit FrameTokCity: Bot on Bot Crime (2026), einer immersiven urbanen Simulation, in der KI-generierte TikTok-Bots mittels konkurrierender ideologischer Narrative aufeinandertreffen.

10. & 12. Juni 2026
Deva Schubert
In einer neuen Koproduktion des Salzburger Kunstvereins und der SZENE Salzburg lässt Deva Schuberts Performance zwei Körper und zwei Stimmen in einen semantischen Kollaps gleiten.
25. Juli – 20. September 2026
Ryan Gander | Großer Saal
Ryan Ganders großformatige Installation One Hundred Things Twice, entwickelt speziell für den Kunstverein, umfasst 200 paarweise angeordnete Objekte und ihre assoziativen Geschichten. One Hundred Things Twice entfaltet eine räumliche Grammatik der Wiederholung, der Differenz und der interpretativen Verschiebung.

cm, courtesy of the artist and Lisson Gallery. Photo: George Darrell.
Hac Vinent | Studio
Hac Vinent zeigt im Studio eine Videoinstallation, die die Konstruktion von Identität unter dem Blickwinkel posthumaner Verkörperung reflektiert.

Ed. of 5 + 1PA, courtesy of the artist.
05. & 12. August 2026
The Distribution of Luck
Harun Morrison, Filipka Rutkowska, Urok Shirhan, Gernot Wieland
Kuratiert von Mirela Baciak & Denis Maksimov.
Ko-Produktion mit der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg.
Im August präsentiert der Salzburger Kunstverein gemeinsam mit der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg die Performance Reihe The Distribution of Luck. Kuratiert von Mirela Baciak und Denis Maksimov umfasst sie vier Lecture Performances von Harun Morrison, Filipka Rutkowska, Urok Shirhan und Gernot Wieland, die sich mit den Themen Liebe, Klasse, Geld und Identität auseinandersetzen.
03. Oktober – 22. November 2026
HER. Jahresausstellung 2026 | Großer Saal
Kuratiert von Attilia Fattori Franchini.
Die jährliche Mitgliederausstellung wird von der in Wien ansässigen Kuratorin und Autorin Attilia Fattori Franchini kuratiert, die unter dem Titel HER eine thematische Gruppenausstellung entwickelt.

Peter Schreiner | Studio
Parallel dazu zeigen wir im Studio eine Ausstellung von Peter Schreiner, dem Gewinner des Förderpreises 2025 des Landes Salzburg und des Salzburger Kunstvereins.

Washi-paper, 170 x 112 cm, courtesy of the artist.
12. Dezember 2026 – 16. Februar 2027
Aline Bouvy
Den Abschluss unseres Programms 2026 bildet eine große Einzelausstellung von Aline Bouvy, die in Zusammenarbeit mit Casino Luxembourg entstanden ist. Nach ihrer Präsentation im Luxemburger Pavillon der Biennale di Venezia 2026 bespielt Bouvy sämtliche Ausstellungsräume des Kunstvereins mit einem immersiven Projekt, das Abjektion, Körperlichkeit und die prekären Architekturen zeitgenössischer Subjektivität aus feministischer Perspektive untersucht.

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